New Generation: Die vergessene WWE-Ära

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(Bild-Quelle: culturecrossfire.com)

Fragt man deutsche Wrestling-Fans nach ihren Wrestling-Helden, fallen blitzartig Namen wie Bret Hart, Shawn Michaels, Undertaker oder Razor Ramon. Wrestling war Anfang bis Mitte der 90er richtig groß in Deutschland – die WWE hüllt jedoch lieber den Mantel des Schweigens über diese Ära.

Dies hat auch mehr als nur einen Grund. Zum einen wäre da der Steroide-Skandal im Jahr 1992 zu nennen, der die alte Garde der Golden Era quasi über Nacht vom TV-Screen verschwinden ließ. Die Sternstunde für Lightweights und neue Gesichter hatte begonnen. Zum Start von Monday Night RAW im Jahr 1993 waren die Gesichter der 80er quasi kollektiv von der Bildfläche verschwunden. Kein Hulk Hogan mehr, kein Macho Man und erst recht kein Ultimate Warrior.

Ratings im Keller

Man muss als Fan dieser Zeit fairerweise einräumen, dass es sich um ein geschäftliches Jammertal für die damalige World Wrestling Federation handelte. Die großen Hulkamania-Jahre waren vorbei und der Neuaufbau gestaltete sich schwierig. Wir hatten aber nun mal nur unsere Perspektive auf das Geschehen und nahmen das so nicht wahr. Tele 5 und später RTL II versorgten uns hierzulande mit aktuellen Shows und PPVs, Jugendmagazine wie Bravo Sport featurten Wrestling regelmäßig und Videogames zum Thema waren regelmäßig ein Hit. Auch die Live-Shows zeichneten ein Bild des Erfolgs. Nichts sah hierzulande nach Flop und Krise aus.

Zwischen 1993 und 1995 erzielte die damals neue Show „RAW“ Ratings zwischen 1.9 – 2.6 Punkten. Wie das Rating-System genau funktioniert, können die interessierten Leser unter euch hier nachlesen. Diese Zahlen, die auch heute wieder üblich sind, waren eher mittelprächtig. Saturday Night’s Main Event erreichte im März 1987 zum Vergleich satte 11.6 Punkte. Das Wrestlemania III Rematch von Hulk Hogan und André The Giant erreichte 1988 gar 15.6 Punkte (33 Millionen Zuschauer). Verglichen mit diesen unfassbar hohen Zahlen, war Monday Night RAW zu Beginn nicht gerade ein Zuschauer-Magnet.

Jobber-Squashes

Einige unter euch werden sich wahrscheinlich noch gut an die typischen „Superstar vs Jobber“ Matches dieser Zeit erinnern können. So richtig spannend war es natürlich nicht mit anzusehen, wie schmächtige Newbies von etablierten Wrestlern dem Erdboden gleichgemacht wurden. Gleichzeitig stärkten diese Squashes das Standing des jeweiligen Top-Stars und Matches zwischen diesen hatten einen hohen Stellenwert. Mit der heutigen Aufmerksamkeitsspanne und Aufgeklärtheit der Zielgruppe wäre ein solches Programm wohl nicht möglich und auch damals diente es überwiegend dazu Stars aufzubauen und PPVs zu verkaufen.

Natürlich war es so auch möglich besondere Momente zu kreieren, wie Siege von Edel-Jobber Barry Horowitz oder den Aufreger, als der 1-2-3 Kid überraschenderweise gegen Razor Ramon gewann und somit zum Teil des Main Rosters aufstieg.

Hinsichtlich dem Push der Ratings waren Jobber-Squashes – ob langfristig sinnvoll oder nicht – natürlich kein probates Mittel. Das konnte sich die WWE nur so lange leisten, wie die Konkurrenz die Füße still hielt. Eine Brücke zwischen TV-Shows und großen PPVs bildete man mit den damaligen „In Your House“-Shows, die als günstigere, monatliche PVVs wieder mehr Zuschauer generieren sollten und zu diesem Zwecke spannende Auseinandersetzungen zwischen Main Roster Stars boten.

Game-Changer: nWo

Ein wirkliches Rezept zurück zu alter Stärke fand die damalige WWF nicht. Im Gegenteil stellte man sich eher noch selbst ein Bein, indem man Trash-Gimmicks wie Henry Godwinn, Duke Droese erdachte, oder – noch schlimmer – die Abgänge Diesel und Razor Ramon mit Fake-Versionen ersetzte.

Die Originale mischten währenddessen das Programm der konkurrierenden WCW gehörig auf. Während die WWE im Wesentlichen auf die Drawing-Power von Shawn Michaels als Face-Champion setzte, schufen dessen Freunde Kevin Nash (aka Diesel) und Scott Hall (aka Razor Ramon) bei der Konkurrenz den legendären nWo-Angle. Die Monday Night Wars (WWF RAW vs WCW Nitro) begannen und die Attitude-Ära wurde eingeläutet.

Errungenschaften der „New Generation“

So ungerne die WWE diese Zeitspanne heute in Videogames und Dokumentationen auch vermarktet – sie brachte zahlreiche Innovationen hervor.

  1. Technisches Wrestling

Durch den Verzicht auf muskulöse Schwergewichte rückten automatisch kleinere, technische Wrestler wie Bret Hart, Owen Hart und Shawn Michaels in den Vordergrund. Die dadurch entstehende Matchqualität lies die Main Events der 80er blass aussehen.

  1. Ladder-Match

Es war im Grunde genommen Bret Hart, der das Ladder Match in die WWE brachte. Ein wenig beachtetes Debüt dieser Matchart fand bereits 1992 gegen Shawn Michaels statt. Schon 1983 hatte er zuvor ein solches Match bei STAMPEDE Wrestling gegen Bad News Allen. Das erste bekannte Ladder Match fand 1972 zwischen Dan Kroffat und Tor Kamata ebenfalls bei STAMPEDE Wrestling statt. Die beiden Matches zwischen Shawn Michaels und Razor Ramon im Rahmen von Wrestlemania X und Summerslam 1995 etablierten die Matchart jedoch langfristig bei WWE.

  1. King Of The Ring

Zugegeben – der KOTR ist keine Eigenheit der „New Generation“, jedoch fand das 1985 ins Leben gerufene Turnier 1993 erstmals als PPV statt und schloss in Sachen Popularität somit an die vier Großveranstaltungen Royal Rumble, Wrestlemania, Summerslam und Survivor Series an. King Of The Ring 1993 war im übrigen die letzte WWE-Veranstaltung der 90er, die Hulk Hogan auf der Card hatte. Der Hulkster kehrte erst 2002, nach dem Aufkauf der WWE für weitere Auftritte zurück.

  1. Monday Night RAW

Vor RAW wurden Veranstaltungen üblicherweise aufgezeichnet und an Wochenenden ausgestrahlt. Der Vorgänger des heutigen Flaggschiffs war Prime Time Wrestling. Dieses Format beinhaltete Zusammenschnitte aus House Shows und Talk-Segmente. Als erstes wöchentliches Live-Format brachte RAW eine völlig neue Dynamik auf den TV-Schirm.

  1. Iron Man Match

Das erste Iron Man Match der WWE fand im September 1993 bei einer House Show zwischen Bret und Ric Flair statt. Sieger ist, wer in einem festgelegten Zeitfenster (30 oder 60 Minuten) die meisten Pinfalls, Submissions oder Count-Outs einfährt. Diese konditionell extrem fordernde Matchart wurde 1992 von Rick Rude und Ricky Steamboat bei WCW Beach Blast ins Leben gerufen. Das legendäre Match zwischen Bret Hart und Shawn Michaels bei Wrestlemania 12 (1996) mit dem erstmaligen Titelgewinn des Heartbreak Kid war das letzte Highlight der „New Generation“. Kurz darauf folgte Austins 3:16-Rede als ein symbolischer Beginn der folgenden Ära.

Was verbindest du mit der „New Generation“?

Wahrscheinlich sind dir beim lesen zahlreiche Erinnerungen in den Kopf geschossen. Mir geht es nicht anders. Neben diesen allgemeinen Ankerpunkten hat jeder seine persönlichen Momente, an die er sich erinnert. Oft sind es Kleinigkeiten wie ein bestimmter Entrance, ein spezielles Undercard Match oder eine denkwürdige Promo, die im Gedächtnis haften blieb. Welche Momente haben dich ganz besonders begeistert?

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Masked keyboard warrior. Hits his enemies with his fabolous finisher - the keystroke. Writes about Wrestling.

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