Survivor Series: Dienst nach Vorschrift

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Auf Reddit und in den entsprechenden Foren kommt die gestrige Survivor Series so schlecht weg wie kaum ein anderer PPV in den letzten Jahren. Dabei war die Show nicht komplett übel. Sie war einfach nur egal. Was lief schief?

John Cena nimmt eine Auszeit, Randy Orton pausiert verletzungsbedingt, Brock Lesnar fährt zuhause Traktor – die Chance schlechthin neue Stars aufzubauen. Auf dem Papier wurde das zum Teil sogar umgesetzt. In der Praxis schluderte man jedoch eine Show hin, die in keinster Weise einer „Big Four„-Veranstaltung entsprach.

Die Demontage der Wyatt Family

Eine besondere Stimmung lag in der Luft. Die glorreiche Karriere des Undertakers sollte gefeiert werden. Das Problem – Undertaker und Kane hatten sich bereits auf der UK-Tour für den „Diebstahl ihrer Seelen“ gerächt. Somit gab es nur noch zwei Optionen dem Anlass gerecht zu werden:

  1. Man lässt Undertaker bei seinem Jubiläum spektakulär verlieren, wie einst beim Royal Rumble 1994
  2. Man gibt Undertaker den Sieg und lässt die Wyatt Family somit erneut schwach aussehen

Die WWE entschied sich für den Feel-Good Moment und wählte letztere Option aus.

Bedenkt man, dass Bray Wyatt schon in der letzten Kurz-Fehde gegen den Undertaker klar unterlegen war und seine Karriere bislang wenige andere Highlights hatte, entzieht man ihm somit die Legitimation für all die großen Reden und Posen. Bray Wyatt ist eine Witzfigur geworden, die keine Drohung in die Tat umsetzen kann. Ein Dampfplauderer auf gut Deutsch gesagt. Was zum kompletten Abstieg noch fehlt ist ein Comedy-Segment mit einem Charakter der Marke The Great Khali oder Santino Marella. Dann wars das. Dabei hat der Mann so viel Ehrgeiz und Talent – es ist ein Jammer.

Vorhersehbarer Aufbau

Von dem Moment an, als die Turnier-Card auftauchte, wusste jeder halbwegs interessierte Fan worauf die Aktion abzielt: Roman Reigns vs Dean Ambrose im Finale und Reigns mit dem Pay-Off. Bis auf die Variable Sheamus ist es genau so eingetreten. Und selbst diese Option war nur wenig abwegig, wenngleich es Sheamus komplett an Momentum für diesen Spot mangelt.

Leider war dies nicht die einzige Schwäche im Vorlauf. Andere Storylines fanden entweder gar nicht statt (wie bspw. ein Aufbau der traditionellen Elimination-Matches) oder waren phlegmatisch erzählt (siehe Dolph Ziggler vs Tyler Breeze oder das oben thematisierte Undertaker Jubiläum).

Niedrige Matchqualität

Es gibt ja immer wieder mal Shows, die im Vorfeld nicht gerade viel Aufbau genossen haben. Oft reißen diese es dann mit spannenden Matches und interessantem On-the-fly-Booking wieder raus. Bei der Survivor Series 2015 fehlte beides. Selbst potentielle Showstealer wie Dolph Ziggler, Charlotte oder Kevin Owens blieben diesmal unter ihren Möglichkeiten. Der Main Event litt unter der Doppelbelastung von Reigns und Ambrose. Mit knapp zehn Minuten dürfte er einer der kürzesten in der Tradition der Survivor Series gewesen sein.

Are you not entertained?

Als die Konfetti von der Hallendecke regneten, riss mich der Cash-In von Sheamus nochmal aus dem Wachkoma. Nach so viel angezogener Handbremse hatte ich kaum noch einen Überraschungseffekt erwartet. Selbst wenn es nur eine kleine, fast erwartungsgemäße war. Die Sache hätte vielleicht noch irgendwie funktioniert und im grauen Einerlei Eindruck hinterlassen, wäre Sheamus zuletzt in irgendeiner Form als Bedrohung in Erscheinung getreten. Im Gegenteil hat er aber nur wenige Stunden zuvor eine Niederlage kassiert.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass sich die WWE offenbar nur noch anteilig um den Inhalt ihres Produkts kümmert. In den letzten Jahren war man so sehr damit beschäftigt die Business-Maschinerie im Hintergrund zu ölen (Streaming-Dienst, Content-Produktion, Sponsorship, Partnerschaften, Wrestler-Ausbildung, Image-Pflege usw.), dass man das Kern-Produkt wie auf Autopilot durchzieht. Die Survivor Series 2015 ist der traurige Höhepunkt einer langjährigen Entwicklung. Wer Wrestling derart entmystifziert, parodiert und kastriert, braucht sich am Ende nicht darüber wundern, wenn unterm Strich nichts mehr von Wert für die Fans übrigbleibt und das Feedback dementsprechend ausfällt.

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Masked keyboard warrior. Hits his enemies with his fabolous finisher - the keystroke. Writes about Wrestling.

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